Lebensmittelpyramiden im Überfluss
Bestimmt kennen auch Sie mindestens eine Lebensmittelpyramide. In diesen wollen uns Ernährungsexperten anschaulich darstellen, von welcher Lebensmittelgruppe wir wie viel essen sollten. Die Lebensmittel, die unten im breiten Bereich stehen, sollen häufig gegessen werden, die Lebensmittel, die oben im schmaleren Bereich stehen, sollen seltener gegessen werden. Doch haben Sie sich jemals wirklich daran orientiert? Wahrscheinlich ist es sogar besser, wenn Sie es nicht getan haben. Denn Lebensmittelpyramiden gibt es fast so viele verschiedene wie Ernährungsratschläge. Wie wollen Sie dabei noch erkennen, welche die „Richtige“ ist? (Bild: DGE)
Um das Ganze nicht zu kompliziert zu machen, bleiben wir mit unserer Betrachtung erst einmal in Deutschland. Welche Ernährungspyramide die Richtige ist, das konnten vor 2005 nicht einmal die führenden deutschen Ernährungsberatungsstellen einstimmig bestimmen. Wenigstens das hat sich mit der Einführung einer neuen Pyramide im Jahr 2005 verbessert. Vorher galten der Ernährungskreis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Ernährungspyramide des aid infodienstes als die „richtigen“ Ernährungsschaubilder. Doch diese waren eigentlich immer widersprüchlich. Die DGE hat nämlich immer mehr Obst- und Gemüseportionen und weniger Getreideportionen empfohlen als der aid. Trotzdem wurden sehr viele Broschüren von beiden gemeinsam herausgegeben. Durch die Einführung der neuen Pyramide ist nun auch beim aid das Getreide zu Gunsten von Obst und Gemüse eine Stufe höher gerückt. Den gemeinsamen Broschüren stehen somit in Zukunft keine Widersprüche mehr im Weg.
Doch es gibt noch ganz andere Pyramiden. Hier geht es nicht mehr nur um die Frage, ob mehr Obst und Gemüse oder mehr Getreide gegessen werden soll.
(Bildquelle: was-wir-essen.de)
Den Amerikanern reicht jedoch eine Pyramide nicht aus. Sie haben immerhin erkannt, dass eine einzige Pyramide nicht für alle Bevölkerungsgruppen geeignet ist. Von dem Vorgängermodell gibt es deswegen spezielle Abwandlungen für Vegetarier, Diabetiker, Kinder, Senioren, Afroamerikaner und Amerikaner asiatischer Abstammung. Diese sollen Besonderheiten, wie der Tatsache, dass Vegetarier kein Fleisch essen, oder Chinesen keine Milch vertragen, gerecht werden. Ganz klar: Wenn Chinesen keine Milch vertragen, kann ihnen niemand ernsthaft empfehlen, täglich Milchprodukte zu essen. Also brauchen die Chinesen eine andere Empfehlung. Aber was heisst das für uns? Müssen wir trotzdem Milch trinken, auch wenn sie uns gar nicht schmeckt? (Lesen Sie dazu auch den Artikel “Milch = gesund oder ungesund?“.) Oder dürfen wir uns dann an den chinesischen Richtlinien orientieren? Wenn ja, warum suchen wir uns dann nicht gleich die Pyramide aus, die unseren Geschmacksvorlieben am ehesten entspricht?
Aber auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten tummeln sich diverse andere Pyramiden, die auf den unterschiedlichsten Ernährungsphilosophien basieren.
(Bildquelle: was-wir-essen.de)
Da gibt es den Vorreiter der LOGI-Pyramide von Worm, die Low Glycemic Index Pyramid von Ludwig. Im Gegensatz zu Worm ist in dieser Pyramide jedoch kein rotes Fleisch enthalten und es sollen mehr Hülsenfrüchte gegessen werden.
(Bildquelle: was-wir-essen.de)
Die Healthy Eating Pyramid von Willett basiert eigentlich auch auf dem glykämischen Index von Lebensmitteln, sieht aber trotzdem ganz anders aus. Hier befindet sich Vollkorngetreide mit pflanzlichen Ölen auf der untersten Ebene. Kurios ist, dass alle weiteren Getreideprodukte ganz oben in der Spitze der Pyramide stehen, so dass es schwer fallen wird, eine entsprechend große Menge an Vollkorn zu essen oder sollen wir etwa ein paar Liter Pflanzenöl trinken? Erst danach kommen Obst und Gemüse, dann Nüsse und Hülsenfrüchte, danach Fisch, Geflügel und Eier. Milchprodukte dürfen bei Willett durch Calciumtabletten ersetzt werden. Außerdem empfiehlt Willett Multivitaminpräparate, die bei einer ausgewogenen Ernährung völlig überflüssig sind. Rotes Fleisch, Butter, Süßigkeiten sowie fast alle Getreideprodukte (Brot, Nudeln und Reis) stehen an der Spitze und sollten möglichst gar nicht gegessen werden. Na dann guten Appetit!
(Bildquelle: was-wir-essen.de)
Jetzt kennen Sie zahlreiche Lebensmittelpyramiden und wissen wahrscheinlich erst recht nicht mehr, an welcher Sie sich orientieren sollen. Am besten wird es sein, Sie werfen alle Pyramiden über Bord und halten sich an die einfache altbewährte Regel: Essen Sie reichlich pflanzliche Lebensmittel, mäßig tierische Lebensmittel und sparsam fettreiche Lebensmittel und Süßwaren.
















