Lebensmittelhersteller verschweigen Nährwertangaben

15.November 2009  |  Kategorie: Wissenswertes  |  Kommentar schreiben  |  Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Wer gesundheitsbewusst durch den Supermarkt schlendert, der wird genau darauf achten, welche Produkte in seinem Einkaufswagen landen. Lebensmittel, die reich an Zucker sind oder einen hohen Fettanteil haben bleiben dann meist im Regal. Um zu beurteilen, wie zucker- oder fetthaltig die Waren sind, muss sich der Kunde allerdings auf die Nährwertangaben der Hersteller verlassen. Dumm nur, wenn die entscheidenden Werte auf der Verpackung fehlen.

Das dies leider auch in der Realität der Fall ist, belegt nun eine Untersuchung der Verbraucherzentralen, die über 3.500 Lebensmittel von mehr als 50 Herstellern unter die Lupe genommen hat. Im August 2009 überprüften die Verbraucherzentralen Lebensmittel in 17 Supermärkten auf ihre Nährwertkennzeichnung. Das traurige Ergebnis: Fast die Hälfte der untersuchten Produkte war immer noch nicht mit der Kennzeichnung der acht wichtigsten Nährwerte (‘Big-Eight’) versehen (Energiegehalt, Eiweiß, Kohlenhydrate, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe und Natrium bzw. Salz). Diese Werte sind für Verbraucher allerdings wichtig, um mögliche Dickmacher zu entlarven. Zum Teil sind die Produkte zumindest mit vier Nährwerten (Energiegehalt, Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett) versehen. Diese Kennzeichnung verschweigt aber wichtige Angaben wie Zucker oder gesättigte Fettsäuren und ist für Verbraucher unzureichend.

Laut den Testern fiel auf, dass gerade bei Produkten mit hohem Fett und/oder Zuckeranteil die Nährwertangabe fehlt. Für Menschen, die auf die schlanke Linie achten, wollen, ist das natürlich fatal. Beispielsweise wird die Kalbsleberwurst ohne Kennzeichnung angeboten, der fettarme Schinken dagegen ist mit den Nährwerten ausgezeichnet. Bei Milchprodukten gibt es ähnliche Fälle, ebenso vermisst man bei vielen Süßigkeiten die relevanten Angaben. Damit wird klar: Viele der großen Lebensmittelhersteller wollen offensichtlich bewusst vermeiden, dass die Kunden den Anteil von Zucker und Fett in den Produkten kennen.

Bei weniger als 15 Prozent der untersuchten Lebensmittel fehlt jegliche Angabe zum Kaloriengehalt und zu den Nährstoffen, denn es gibt immer noch keine gesetzliche Verpflichtung obligatorisch Nährwertangaben auf Lebensmittelpackungen zu drucken.
Insgesamt war bei 33 der 50 untersuchten Hersteller, also bei 66 Prozent, die Kennzeichnung unbefriedigend. Nur bei 18 Prozent, also quasi nur bei jedem fünften Produkt, bezeichneten die Verbraucherschützer die Kennzeichnung als gut.

Discounter passen besser auf
Discounter legen nach den Ergebnissen des Tests zu urteilen, offensichtlich mehr Wert auf die Nährwertkennzeichnung als teurere Supermärkte. So steht Aldi unangefochten an der Spitze, weil dort nur sechs Prozent der untersuchten Produktpackungen nicht mit den acht wichtigsten Nährwerte gekennzeichnet waren. Lidl folgt auf dem zweiten Platz, aber schon mit knapp 30 Prozent fehlenden Angaben.

Das Fazit der Verbraucherschützer: Die beste Lösung für eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln wäre eine verbreitete Einführung der Lebensmittelampel. Damit können Verbraucher schnell und unkompliziert Zuckerbomben und Fettfallen erkennen. Das Ampel-Prinzip brächte zudem eine bessere Vergleichbarkeit verschiedener Produkte.

Was Sie aktuell tun können: Überprüfen Sie bei Ihren Lieblingsprodukten, ob diese mit der Kennzeichnung der acht wichtigsten Nährwerte versehen sind. Die Hersteller sollten auf der Packung Energiegehalt, Eiweiß, Kohlenhydrate, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe und Natrium bzw. Salz aufführen. Fehlen Angaben, sollten Sie sich bewusst sein, dass man Sie hier offensichtlich über bestimmte Nährwerte im Unklaren lassen will. Ob Sie das Produkt dann immer noch kaufen wollen, müssen Sie selbst entscheiden.

(Quelle: rtl.de)

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