Heimliche Dickmacher
Obwohl wir Kalorien zählen, Fett reduzieren und wenig Kohlenhydrate zuführen, werden wir immer dicker. Schuld könnten Zusatzstoffe in unserem Essen sein.
Geahnt haben wir es ja schon. Aber jetzt gibt es tatsächlich sehr reale Hinweise darauf, dass wir gar nicht so viel dafür können, wenn wir Speck ansetzen. Sondern dass wir dick gemacht werden. Und zwar unter anderem durch Zusatzstoffe in unserer Nahrung, die unser Gehirn verwirren. Wie? Sie richten in den Schaltzentralen durch falsche Signale nachhaltig Unheil an. Zum Beispiel versetzen sie das Gehirn derart in Erregung, dass es sich ständig von Unterversorgung bedroht sieht. Dann fordert es Essen – und wir gehorchen. Auch wenn der Rest des Körpers längst genug hat.
Deswegen werden wir dick. Zu utopisch, um wirklich wahr zu sein? Legionen von Wissenschaftlern sind der Frage auf der Spur, wie der Körper Nahrung zerlegt, an den Organismus weitergibt und so für seinen Fortbestand sorgt. Immer wichtiger wird der Aspekt, dass immer mehr Menschen so dick werden, dass sich daraus handfeste volkswirtschaftliche Belastungen ergeben – von den individuellen Problemen mal ganz abgesehen, die 20 Kilo Übergewicht und mehr mit sich bringen.
Geheimnis Stoffwechsel
Wie kann das sein, da doch gleichzeitig allerorten das Lied der gesunden Ernährung gesungen wird, die Zahl der Fitness-Studios ständig steigt und nur noch wagemutige Gourmets zu Vollfettrohmilchkäse statt zur Fünf-Prozent-Variante greifen? Es muss also irgendwo im Ernährungskreislauf heimliche Dickmacher geben, die uns die Modelfigur versauen.
Glutamat ist so ein Stoff, der immer wieder als Störer und Dickmacher ins Feld geführt wird. Der Journalist und Autor Hans-Ulrich Grimm nennt in seinem neuen Buch „Die Kalorienlüge“ noch andere Stoffe: „Aromen, Aluminium, Süßstoff und Weichmacher betrügen unseren Körper und stören die Appetitregulierung. Mit Fertignahrung nehmen wir sie unkontrolliert auf und setzen so die Übergewichtsspirale in Gang.“ Was ist dran an dieser Theorie?
Das selbstsüchtige Gehirn
Brain first! Solange unser Gehirn versorgt ist, sendet es keine Hungersignale. Faktoren wie Alkohol, TV oder falsches Essen können diese Mechanismen allerdings stören.
Professor Dr. Achim Peters erforscht an der Universität Lübeck die Entstehung von Übergewicht. Seine Untersuchungen basieren auf der von ihm entwickelten Theorie vom „Selfish Brain“, dem selbstsüchtigen Hirn. Das Gehirn versorgt sich selbst nämlich immer zuerst, indem es sich die Energie in Form von Glukose aus der Nahrung zieht – jedenfalls solange es fit ist und ungestört arbeiten kann. Erst danach kommen die anderen Organe dran.
Sind diese Mechanismen gestört, fließt die Energie zuerst in die anderen Organe – das Gehirn reagiert mit Hungersignalen. Es versorgt sich dann nicht mit dem Vorhandenen, sondern lässt von außen, durch Essen, neue Energie ankarren. Diese Störung führt schließlich zu Übergewicht. Einige Störer haben die Lübecker wissenschaftlich dingfest gemacht. Dazu gehören Hirntumore und Gendefekte sowie Traumata und chronischer psychosozialer Stress wie Einsamkeit oder Arbeitslosigkeit, der durch Alkohol, Fernsehen oder Schlafen und Essen begleitet wird.
Hunger statt Sättigung
Bestimmte Zusatzstoffe gaukeln dem Gehirn Energie vor, die in der Realität nicht geliefert wird. Häufig hat diese Schummelei Fressattacken und Übergewicht zur Folge.
Schwieriger ist die Beweislage bei Störern aus der Nahrung. Hans-Ulrich Grimm stellt eine Verbindung her zwischen sogenannten endokrinen Störern, also Weichmachern in Plastik, die hormonell wirken sollen, und Störungen in der Appetit-Sättigungs-Regulierung. Dazu Professor Peters: „Die Forschung auf diesem Gebiet steht noch am Anfang. Dass diese Stoffe Übergewicht auslösen könnten, ist zurzeit lediglich ein Denkansatz, den man ein beziehen kann. Dasselbe gilt auch für Aluminium.“
Er selbst forscht nicht auf diesem Gebiet. Tierversuche zu Bisphenol A, einem so genannten Plastikhormon, zeigten allerdings, dass die Aufnahme dieses Stoffs allein mit dem Trinkwasser zu Fresssucht und damit zu Übergewicht führen kann. Zumindest bei Ratten! Ebenfalls bei Ratten erforscht sind Falschsignale, die durch Süßstoff gegeben werden können. Man weiß inzwischen, dass Sensoren auf der Zunge auf Süßstoff mit einem Signal ans Gehirn reagieren, das Energie ankündigt.
Umstrittenes Glutamat
Leider kommt dann im Fall von Süßstoff keine wirkliche Energie, sondern nur ein kalorienfreies Molekül. Das Gehirn aktiviert aber schon mal den Stoffwechselprozess inklusive Insulinausschüttung – und läuft ins Leere. Das Ergebnis: Irritation. Eine Reaktion auf diese Verunsicherung ist vermehrtes Essen, mit Übergewicht als Folgeerscheinung. Bleibt das umstrittene Glutamat, das Hans-Ulrich Grimm ebenfalls mit Übergewicht in Verbindung bringt. Die natürlicherweise in allen proteinhaltigen Lebensmitteln enthaltene Aminosäure wird von der Nahrungsmittelindustrie jeder Tütensuppe und auch jedem Fertiggericht tonnenweise untergemischt – zur Geschmacksverstärkung.
Erbitterte Gegner, beispielsweise der Lübecker Kinderarzt Michael Hermanussen, versuchen den Beweis zu führen, dass Glutamat ein Gefräßigmacher ist. Ernährungsforscher allerdings beharren bisher noch darauf, dass Glutamat unbedenklich sei. Aufgrund der Datenlage und wenn man ganz sicher gehen will, sollte man diese Substanz jedoch am besten meiden.
Optimale Energieplatzierung
Schlank sein muss nicht gleich Quälerei bedeuten. Wer sich ausgewogen ernährt und seinem Körper ausreichend Bewegung und Entspannung gönnt, liegt auf jeden Fall richtig.
Fragt sich, warum es noch schlanke Menschen gibt. „Bei ihnen ist das Selfish Brain sehr fit“, so Professor Peters. „Nicht weil sie weniger Tütensuppen essen, sondern weil ihr Gehirn die Energieplatzierung perfekt leistet.“ Und was machen alle anderen? So kontrovers die Debatte über die Ursachen von Übergewicht geführt wird, so einig sind sich die Experten in einem zentralen Punkt: Mit frischen Zutaten kochen, sich viel bewegen und für aktive Entspannung sorgen – das sind die Garanten für eine schlanke Figur.
Was steckt wo drin?
Chips, Cappuccino & Co. – einmal angefangen, kann man nicht mehr aufhören. Schuld daran sind Zusatzstoffe. Hier erfahren Sie, was sich in so mancher Leckerei versteckt.
Bunte Schokolade: Reichlich Zucker und Fett mit Aromen und Farbstoffen
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- Joghurt-Gums: Farbstoffe, Süßstoff, Gelatine, Aroma
- Cappuccino: Rieselstoffe, Aroma, Süßstoff für vollmundigen Genuss
- Chips: Kartoffelpulver plus an die 20 Zusatzstoffe
- Erdbeerkaltschale: Damit das Pulver nach Erdbeeren schmeckt, muss viel Aroma hinein, dazu Farbstoff
- Pudding: Viel Süße (Zucker und Glukose sirup), Milcheiweiß, Rieselstoffe
- Mint-Schokolade: Eventuell Aluminium (nicht deklariert)
- Pasta Bolognese: Hier war die Chemie Sieger, von Fleisch kaum eine Spur
- Kartoffelsnack und Tomatensuppe: Glutamat, Aroma und Süße – alles, was ein Fertiggericht „braucht“
Quelle: FitForFun


































