Die meisten Apfelsäfte sind nicht “gut”

25.April 2010  |  Kategorie: Produkte, Wissenswertes  |  Kommentar schreiben  |  Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Die Stiftung Warentest hat 28 naturtrübe und klare Apfelsäfte getestet. Das Ergebnis: Nicht einmal jeder zweite schneidet mit “gut” ab, drei sind sogar “mangelhaft”. Klare Testsieger sind die Apfelsäfte der Discounter.

Apfelsaft steht bei den Deutschen ganz oben auf der Beliebtheitsskala, noch vor Orangen- und Traubensaft. Die Stiftung Warentest hat daher 28 klare und naturtrübe Säfte genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Nicht einmal jeder zweite Saft erhält die Note “gut”. Drei Apfelsäfte bekommen die Note “mangelhaft”, fünf Produkte schneiden mit einem “ausreichend” ab. Neun Produkte erhalten die Note “befriedigend”, elfmal gibt es ein “gut”.

Doch nicht etwa die teuren (Bio-)Produkte konnten in der Laboranalyse und dem Geruchs- und Geschmackstest überzeugen. Zum Testsieger gekrönt wurden stattdessen die preiswerten Produkte von “Aldi”, “Penny” und “Kaufland”. Die Verlierer-Säfte büßten vor allem beim Aroma ein. Stiftung Warentest analysierte dafür den Gehalt an Estern und Säuren, die für Äpfel charakteristisch sind. Mit dieser chemischen Untersuchung können außerdem naturfremde Aromastoffe oder solche aus verdorbenen Äpfeln nachgewiesen werden.

Verdorbene Äpfel verwendet

Getestet wurden klare und naturtrübe Apfelsäfte. Fast alle naturtrüben sind Direktsäfte, die aus frisch gepressten Früchten aus heimischem Anbau gepresst werden. Nach einer Rückverdünnung muss der Hinweis “Apfelsaft aus Konzentrat” auf der Packung stehen. Das Konzentrat wird aus chinesischen oder europäischen Äpfeln hergestellt.

Testsieger bei den klaren Apfelsäften ist die Marke “rio d’oro” von Aldi Süd. Er gehört genauso wie der zweit platzierte Saft von “K Classic /Kaufland” mit 55 Cent pro Liter zu den günstigsten Produkten dieser Testreihe. Erfreulich: Alle acht klaren Apfelsäfte wurden geschmacklich mit der Note “gut” bewertet. Verlierer in dieser Kategorie ist der Apfelsaft von “Vitafit / Lidl”. Im Sinne der Fruchtsaftverordnung handele es sich hierbei streng genommen gar nicht um einen Apfelsaft, kritisiert die Stiftung. Der Grund: Säfte aus Konzentrat sollten Direktsäften so nah wie möglich kommen. Dazu müssen die Aromastoffe, die bei der Konzentratherstellung entweichen später wieder zugesetzt werden. Auch beim Direktsaft des Unternehmens”Vorlo”, das Getränke direkt an seine Kunden ausliefert, ist dies jedoch nicht der Fall – das Produkt kassiert deswegen in der Kategorie der naturtrüben Säfte die Note “mangelhaft”. Nicht nur sein mostig-gäriger Geschmack brachte ihm Minuspunkte ein – die Laboranalyse zeigte, dass verdorbene Äpfel und Maische verwendet wurden.
Naturtrübe Säfte liegen im Aroma vorne

Becker’s Bester Apfelsaft, der als einzig naturtrüber Saft aus Konzentrat hergestellt wird, gehört zu den Verlierern dieser Kategorie: Neben fehlenden Aromastoffen lässt auch sein Geschmack zu wünschen übrig – er wird mit der Note “mangelhaft” bewertet.

Das Fazit der Tester: Prinzipiell enthalten die naturtrüben Säfte mehr Aromastoffe als die klaren, da bei der schonenden Herstellung der Direktsäfte weniger Aroma verloren geht. Auch wegen seiner “sehr guten” Aromaqualität wurde “Libehna” zum besten naturtrüben Apfelsaft gekürt. Gesamtnote: “gut”. Auch die Säfte von “Albi”, “Penny”, “Aldi Süd”, “Merziger” “Aldi Nord”, “Wesergold” und “Lindavia” werden als “gut” bewertet. Die besten naturtrüben Bio-Apfelsäfte “Denree” und “Voelkel” erhalten dagegen nur ein “befriedigend”.
Entwarnung bei Schimmelpilzgift Patulin

Erstmals haben die Tester auch den Anteil sekundärer Pflanzenstoffe in den Apfelsäften untersucht. Sogenannte Polyphenole sollen sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Weil dies wissenschaftlich aber noch nicht belegt ist, wurde dieser Punkt nicht mit in die aktuelle Bewertung einbezogen. Ein Ranking gibt es dennoch: Vorne liegen hier die naturtrüben Säfte, deren Polyphenolgehalt etwa doppelt so hoch ist wie der der klaren. Das teuerste Produkt des Testes – der Biosaft von “Rabenhorst” – enttäuschte mit einer geringen Konzentration. Und dass, obwohl für ihn als Einziger mit vielen sekundären Pflanzenstoffen geworben wurde. Auch seine Aromaqualität lässt zu wünschen übrig. Gesamtnote: “Ausreichend”.

Entwarnung gibt es bei dem Schimmelpilzgift namens Patulin, das durch angefaulte Äpfel in den Saft gelangen kann. In vergangenen Apfelsafttests war dies oft ein Problem. Diesmal ist nur das Produkt von “Werder Frucht” betroffen, sodass dieser Apfelsaft nicht für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet ist.

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